geschichte5

Zurück

Chronikdaten von 1932 bis 1945

1933

In Leer wird eine Neuapostolische Kirche gegründet. Die Entwicklung begann bereits 1929.

Januar 1. Für die Stadt Leer tritt eine neue Vergnügungssteuerordnung in Kraft.

Januar 9. Mit dem Bau der Ledabrücke wird begonnen.

Januar 15. 250 Menschen nahmen an einem Propagandamarsch der NSDAP in Leer teil. Lediglich 30 bis 40 Personen sind Leeraner. Am Denkmalsplatz wird eine Rede gehalten.

Januar 19. Die KPD veranstaltet einen Umzug durch die Stadt.

Februar. Die Vorwürfe der Steuerprotestversammlungen werden von der Regierung in Aurich überprüft und als total unbegründet verworfen.

Februar 12. Beim Julianenpark beginnt ein Fackelzug der Eisernen Front durch die Stadt Leer. Zahlreiche Menschen säumen die Straßen und hören zum Abschluß die Rede von Louis Thelemann auf dem Marktplatz.

Februar 16. Mit einer Versammlung im Jonas'schen Saal beginnt die SPD ihren Wahlkampf. Die Versammlung wird durch die NSDAP gestört. Der Polizei und dem Reichsbanner ist es zu verdanken, daß die Ausschreitungen nicht Überhand nahmen und die Versammlung nicht verhindert wird.

Februar 25. Eine "Klebekolonne" der KPD wird festgenommen. Bei den Beteiligten und bei Hausdurchsuchungen wird zahlreiches verbotenes Wahlpropagandamaterial beschlagnahmt.

Februar 28. Der "Volksbote" wird verboten.

März 4. "Am Sonnabend marschierten wie an vielen anderen Orten auch in unserer Stadt der Stahlhelm und die Organisationen der Nationalsozialisten mit der Hitler-Jugend durch die Stadt. An der Waage war der stattliche Zug der Stahlhelmer angetreten. Von da ging es zur Mühlenstraße, wo sich an den Stahlhelmzug der Zug der NSDAP anschloß. Unter flatternden vorwiegend schwarz-weiß-roten Fahnen bewegte sich der Zug in straffer Ordnung, umsäumt von Hunderte von Zuschauern, die ihn begrüßten, durch die Straßen. An dem Zug nahmen etwa 1000 Menschen teil."

März 5. Ergebnis der Reichstags- und Landtagswahl in Leer:

Reichstag Landtag

NSDAP 3409 Stimmen 3338 Stimmen

SPD 2227 Stimmen 2133 Stimmen

KPD 480 Stimmen 461 Stimmen

D. Zentrumspartei 409 Stimmen 407 Stimmen

Kampffront

Schwarzweißrot 804 Stimmen 730 Stimmen

D. Volkspartei 236 Stimmen 256 Stimmen

Christl.-Sozialer

Volksdienst 214 Stimmen 211 Stimmen

D. Staatspartei 81 Stimmen 90 Stimmen

März 12. Bei der Kreistags- und Gemeindewahl wird für die Stadt Leer folgendes Ergebnis erreicht:

Gemeindewahl Kreistagswahl

SPD 8 Sitze 6 Sitze

NBE 3 Sitze

KPD 1 Sitz 1 Sitz

NSDAP 12 Sitze 15 Sitze

Kampffront Schwarzweißrot 2 Sitze

Christl.-Sozialer Volksdienst 1 Sitz

Uplengen und Umgebung 1 Sitz

Schwarz-weiß-rot Rheiderland 1 Sitz

Nationale Einheitsliste 1 Sitz

Unabh. Liste Oberledingerland 1 Sitz

März 21. Auf dem Gebäude der jüdischen Volksschule an der Ubbo-Emmius-Straße wird, auf Anordnung der vorgesetzten Behörde, eine Hakenkreuzfahne gehißt. Sie wird abends von der SA beschlagnahmt.

März 28. Das Rathaus wird von der SA besetzt und die städtischen Beamten Epkes und Noll werden vorläufig ihres Amtes enthoben und in Schutzhaft genommen. Der Bürgermeister Dr. v. Bruch wird in seiner Wohnung im Rathaus festgesetzt und vor der Wohnungstür eine SA-Wache postiert. Der Marktdirektor Krause wird ebenfalls in Schutzhaft genommen. Der Vollziehungsbeamte Birtsch wird mit sofortiger Wirkung entlassen.

März 28. Der Standartenführer für Ostfriesland Bleeke erläßt ein Schächtverbot für alle ostfriesischen Schlachthöfe und ordnet an, daß die Schächtmesser verbrannt werden.

März 29. Bürgermeister Dr. vom Bruch wird zwangsweise beurlaubt und der Bezirks-Zollkommissar Drescher bis auf weiteres zum Staatskommissar für die Stadt Leer bestellt. Damit gehen sämtliche Obliegenheiten des Bürgermeisteramtes auf den neu ernannten Staatskommissar über.

März 31. Auf der Bürgervorsteherversammlung werden folgende Anträge mit 15 Stimmen gegen 8 Stimmen beschlossen:

- Die Osterstraße wird in Hindenburgstraße umgetauft.

- Die Mühlenstraße wird in Adolf Hitler-Straße umgetauft.

- Dem Reichskanzler Adolf Hitler wird das Ehrenbürgerrecht verliehen.

- Reichspräsident v. Hindenburg wird das Ehrenbürgerrecht angetragen.

April 1. Eine neue Hundesteuerordnung und eine neue Biersteuerordnung treten für die Stadt Leer in Kraft.

April 23. Das SAJ- Heim wird von der Hitler-Jugend besetzt.

April 27. Auf der zweiten Sitzung des Bürgervorsteherkollegiums wird die SPD aus allen städtischen Ausschüssen entfernt.

Mai 1. Die freien Gewerkschaften werden in Leer aufgelöst.

Mai 7. Durch Freitod scheidet der Bürgermeister Dr. vom Bruch aus dem Leben. Durch die Nationalsozialisten verfolgt und bedroht sieht er keinen anderen Ausweg.

Mai 16. Pfarrer Heinrich Schniers nimmt seine Arbeit in der kath. St.-Michaelis-Kirche auf.

Mai 30. Reichspräsident v. Hindenburg nimmt das Ehrenbürgerrecht der Stadt Leer an.

Juni. Hermann Tempel gelangt ins Exil in die Niederlande.

August 19. Bei einem Unfall bei dem Bau der Ledabrücke stirbt Heinrich Graalmann aus Loga.

August 28. Nachdem die Voraussetzungen für das Bürgermeisteramt vereinfacht wurden, wird der Nationalsozialist Erich Drescher zum Bürgermeister von Leer gewählt.

September 1. Hermann Tempel wird aus dem Schuldienst entlassen.

September 30. Kasjen Penning aus Loga stirbt bei einen Unfall beim Bau der Ledabrücke.

Oktober. Vom Luftschutzverband wird auf der Rathausbrücke eine Fliegerbombe aufgestellt um auf die Notwendigkeit des Luftschutzes hinzuweisen.

Oktober 18. Der Leeraner Heinrich Busse stirbt durch einen Unfall beim Ledabrückenbau.

Dezember 15. Die erste Fernsprechwählvermittlung im Bereich Leer wird in Betrieb genommen

1934

In den Schulen finden erstmals "Aufklärungswochen über den Luftschutz" statt.

Mit dem Bau von Luftschutzkellern wird begonnen.

An der Haneburg werden umfangreiche Reparaturarbeiten ausgeführt.

Die Nüttermoorer Kirchenorgel von 1815 wird überarbeitet.

Februar 8. Emil Badziong aus Duisburg stirbt durch einen Unfall beim Ledabrückenbau.

Mai 1. Die Stadtsparkasse Leer und die Sparkasse des Kreises Leer werden zur Kreis- und Stadtsparkasse Leer zusammengelegt.

Juni 16. Die Ledabrücke wird mit einem großen Aufmarsch eingeweiht.

September 5. Die Stadt Leer macht von dem Rückkaufsrecht gemäß §9 des Kaufvertrages vom 19.4.1920 gebrauch. Da die Haneburg für dringende öffentliche Zwecke (Errichtung der SA-Bauernhochschule) benötigt wird, wird die Haneburg von der Stadt Leer vom Verein für Heimatschutz und Heimatgeschichte zurückgekauft.

September 10. In der Waage wird der Wassersportverein Leer von 22 Bürgern gegründet.

September 23./24. Aus Anlaß der Tagung des ostfr. Imkervereins findet eine bienenwirtschaftliche Ausstellung statt.

Oktober 1. Der Reichsnährstand mietet von der Stadt Leer die Haneburg, um darin eine Bauernhochschule zu gründen. Dafür wird die Haneburg renoviert und um einen Flügel erweitert.

1935

Die Haneburg wird umgebaut und um einen Flügel erweitert.

Das Schützenkorps, der Bürgerschießverein und der Kleinkaliber-Schützenverein schließen sich zum Schützenverein Leer zusammen.

Die Stadt Leer und die Gemeinden Loga, Heisfelde und Leerort werden zum Wohnsiedlungsgebiet erklärt.

Auf dem Viehmarkt in Leer wird ein Teil eingezäunt und durch Schilder als Standplatz für jüdische Händler bezeichnet.

Die Stadtverwaltung stellt der kath. Kirche das Gebäude der Freimaurerloge, Gaswerkstraße 8, zur Verfügung.

März. Beim "Schützengarten" wird ein Kleinkaliber-Schießstand gebaut.

März 1. Für die 1934 gegründete Kreis- und Stadtsparkasse tritt eine Satzung in Kraft.

März 21. Ein Sportfischereiverein, Vorläufer des Angelsportvereins, wird in Leer gegründet. Da auf der Gründungsversammlung zu wenig Interessierte anwesend sind schließt man sich als Untergruppe dem Hauptverein für Ostfriesland an.

Mai 28. Für die Stadt Leer wird eine Hauptsatzug erlassen.

Juli 20. In einer Verfügung weist der Bürgermeister daraufhin, daß vom Personal der Badeanstalt und vom Kreisleiter mitgeteilt wurde, "dass im Badepublikum Missstimmung darüber herrscht, dass die hiesige Badeanstalt noch immer von Juden besucht wird. Um Abhilfe wurde verschiedentlich dringend gebeten. In anderen Städten ist es bereits durchgeführt, dass Juden in den dortigen Badeanstalten keinen Zutritt mehr haben." Weiterhin ordnet der Bürgermeister daraufhin an, "Das Stadtbauamt hat sofort ein Schild anzufertigen mit der Aufschrift: "Juden sind nicht erwünscht" und es über dem Eingang zur Badeanstalt an deutlich sichtbarer Stelle anzubringen."

Juli 20. In der Ostfriesischen Tageszeitung erscheint eine Sonderbeilage unter dem Titel "Die Juden sind unser Unglück". Neben verschiedenen Artikeln erscheinen darin auch Anzeigen unter der Rubrik "Rein deutsche Geschäfte" und eine Liste jüdischer Geschäft, mit dem Hinweis in den jüdischen Geschäften nicht einzukaufen.

August 16. Die kath. Schule nimmt den Schulbetrieb in dem Haus Gaswerkstraße 8 auf.

1936 - 1938

Eine Kasernenanlage (die heutige "Von-Lettow-Vorbeck-Kaserne") wird gebaut.

Gleichzeitig mit der Kasernenanlage wird in Loga an der Ritterstraße eine Schießstandanlage und ein Schießstandwärterhaus errichtet.

1936

In der Flachsröste der Fa. Connemann bricht ein Feuer aus.

Januar 8. In der Haneburg wird die SA-Bauernhochschule eingeweiht.

Februar 20. Die Fa. C. Ontjes pachtet von der Stadt Leer ein Gelände auf der Nesse, an der Industriestraße, um dort einen Kohlenschuppen und Kohlenlagerplatz zu errichten.

April 1. Die Leerer Genossenschaftsbank eröffnet ihr Banklokal in der Mühlenstraße in dem Gebäude der früheren Ostfriesischen Bank.

Oktober. Zum Gallimarkt wird das Heimatmuseum in den Häusern Neue Straße 12 und 14 eröffnet.

1937

In Bingum wird ein Schulgebäude errichtet.

Von der Stadtverwaltung wird das Haus Neue Straße 2 gekauft und darin die Stadtkasse untergebracht.

Im Ratskeller wird wieder ein Restaurant eröffnet.

In Loga wird das 1. Logaer Schützenfest gefeiert.

Februar 11. Für die Kaserne an der Papenburger Straße wird der Grundstein gelegt. Rund 2.000 Arbeiter errichten in knapp 14 Monaten einen Komplex bestehend aus einem großen Hauptportal, zehn geräumigen Unterkunftsblocks, einem Küchengebäude, einem Sanitätsgebäude, Kraftfahrzeughallen, einem Schwimmbad und einer Exerzierhalle für 2.000 Personen.

März 1. Die von der Stadt gemietete Harderwykenburg wird für das Hilfswerk "Mutter und Kind" an die NS-Volkswohlfahrt e.V. weitervermietet.

März 16. Der Kreisausschuß beschließt den Bau der Emsbrücke.

Mai 3. Der Kreisvorsitzende der KPD wird für fünf Tage, bis nach den Reichstagswahlen, verhaftet.

Juni 22. In Deutschland wird die SPD verboten.

Juli 17. In Loga werden nachts 17 Kommunisten verhaftet. Auch Frauen und zwei behinderte Mädchen werden von des Nationalsozialisten verhört.

Juli 29. Von Leer aus werden zwanzig Kommunisten aus Stadt und Kreis Leer ins Konzentrationslager Börgermoor gebracht.

Oktober 6. In Leer wird in Anwesenheit des Bürgermeisters Erich Drescher der Grundstein für das erste Hitler-Jugend-Heim in Ostfriesland gelegt.

Oktober 27. Im Preußischen Staatsanzeiger wird bekanntgegeben, daß Hermann Tempel die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wird.

1938

Für die Teeverarbeitung der Fa. Bünting entsteht ein dreistöckiges Teegebäude. Ein Kaffeegebäude entsteht kurze Zeit später.

Januar 21. Richtfest der Emsbrücke.

Januar 31. Der spätere Leeraner Bürgermeister Günther Boekhoff wird geboren.

April 1. Leer wird Garnisonstadt. Die 8. Schiffsstammabteilung übernimmt die Kaserne an der Papenburger Straße.

April 1. Die AOK Stadt Leer, Kreis Leer und Kreis Weener werden zur "AOK für den Kreis Leer" zusammengezogen.

April 20. In der Kaserne an der Papenburger Straße werden die ersten Rekruten vereidigt.

November. Die kath. Bekenntnisschule wird aufgelöst und sogenannte "Deutsche Schulen" eingerichtet.

November 9. Pogromnacht.

Die jüdischen Mitbürger werden zum Viehhofgelände gebracht und dort in einem Stall eingesperrt. Die jüdische Synagoge geht in Flammen auf und wird vollständig zerstört. Für sämtliche Zerstörungen, Löscharbeiten etc. müssen die jüdischen Mitbürger mit ihrem gesamten Hab und Gut aufkommen.

November 10. Die jüdischen Männer werden in Eisenbahnwaggons (Viehwaggons) nach Oldenburg verfrachtet und von dort aus weiter nach Sachsenhausen ins KZ. Im Februar 1939 werden die letzten Überlebenden entlassen. Die Frauen und Kinder können noch am selben Tag wieder in ihre Wohnungen zurück.

Dezember 26. In der St.-Michelis-Kirche feiert Hermann Lange seine Heimatprimiz.

1939

Der neugebaute Flügel der Haneburg senkt sich und im alten wie im neuen Gebäude der Haneburg treten zahlreiche Risse auf.

Am "Hohen Weg" entsteht ein Verwaltungsgebäude der Gemeinde Loga.

März 22. Die Leerer Genossenschaftsbank wird in Ostfriesische Volksbank e.GmbH umbenannt.

Juli 6. Bei den Arbeiten an der Emsbrücke stürzt ein Arbeiter von der Brücke und ertrinkt.

Juli 12. Die neue Schulfahne der Schule in Heisfelde wird feierlich geweiht.

November. Am Deich bei Nüttermoor werden gefangene Polen in Baracken untergebracht. Sie müssen den Bauern bei der Feldarbeit oder bei Kohlenentladungen im Leeraner Hafen helfen.

1940

Der Bau von Luftschutzkellern wird verstärkt.

Im Haus "Russel" an der Friesenstraße wird eine Luftschutzrettungsstelle eingerichtet.

Januar 24. Wetterbedingt, Frost und Schnee, wird die Nüttermoorer Schule geschlossen.

Februar 23. Die Synagogengemeinde meldet die Schließung ihrer Schule: "Durch behördliche Anordnung mußten die Juden Ostfriesland verlassen. Die schulpflichtigen Kinder sind in der jüdischen Volksschule Hildesheim eingeschult worden."

März. Die obere Führung gibt die Devise aus, daß Ostfriesland bis Mitte März "Judenrein" sein soll.

März 15. Der letzte jüdische Zwangstransport fährt nach Berlin.

März 20. Die letzte jüdische Familie verläßt Leer. Die große jüdische Gemeinde existiert nicht mehr.

Mai 10. Im Rahmen des 2. Weltkrieges beginnt der Überfall auf Holland. Deutsche Truppen sind somit die ersten, die über die Emsbrücke ziehen.

Juni 16. Die Emsbrücke bei Leerort wird für den Verkehr freigegeben. Der Fährverkehr wird eingestellt.

Juli 1. Ein Klassenraum der Heisfelder Schule wird als Luftschutzraum umgebaut.

Oktober 25. Der spätere Leeraner Stadtdirektor und Oberkreisdirektor Andreas Schaeder wird geboren.

November 17. In der Nähe des Brokelwalles in Nüttermoor explodiert eine Sprengbombe.

1941

Im ehemaligen "Rheiderländer Hof" wird ein Sozialwerk der DAF eingerichtet.

Während des zweiten Weltkriegs ist in der Haneburg ein Lazarett eingerichtet.

Januar 18. Hermann Tempel wird in Amsterdam festgenommen und der Staatspolizei in Osnabrück übergeben.

Mai 8./9. Im Hammrich zwischen Heisfelde und Nüttermoor stürzt ein englischer Bomber mit sechs Mann Besatzung ab. Ein zweites Flugzeug wirft im Hammrich vor Leer 6 Bomben ab ohne Schaden anzurichten.

Juli 4. Hermann Tempel wird vom Oberlandesgericht in Hamm wegen Verbreitung eines hochveräterischen Unternehmens zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Straftatbestand war ein Treffen mit Osnabrücker und Nordhorner SPD-Genossen 1936 in Almelo in den Niederlanden.

Oktober 20. Bei Kloster Thedinga fallen 4 Sprengbomben. Sechs Tage später explodiert noch ein Blindgänger.

Oktober 21. Im Hammrich bei Nüttermoor explodieren 4 Sprengbomben.

Dezember 17. Pfarrer Heinrich Schniers wird, wegen angeblich volkszersetzenden Äußerungen, von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet.

Dezember 27. Pfarrer Heinrich Schniers wird erneut von der Gestapo verhaftet.

1942/1943

Bei der Neuapostolischen Kirche wird ein Kirchenchor gegründet.

Auf der Nesse werden Baracken für die Unterbringung von Fremdarbeitern errichtet. (In dem Zivilarbeiterlager der DAF sind bis zu 500 Personen untergebracht.)

1942

Januar 4. Ein Bomber fliegt die Bahnlinie Emden-Leer entlang. Ein Güterzug, das Bahnwärterhäuschen und die Baracken bei Eisinghausen werden beschossen. Bei der Klostermühle und vor dem Leeraner Bahnhof läßt er Bomben fallen. Es entsteht kein großer Schaden.

Januar 19. Die städt. Oberschule für Mädchen (TGG) einschließlich Turnhalle wird per Verfügung von der Wehrmacht in Anspruch genommen.

März 19. Pfarrer Heinrich Schniers wird nach Leer gebracht und in Sträflingkleidung durch die Straßen seiner Pfarrgemeinde geführt.

März 24. Die Bronzeglocke im Turm der Nüttermoorer Kirche wird abmontiert.

März 26. Ohne Verurteilung wird Pfarrer Heinrich Schniers in das KZ Dachau gebracht.

April 1. Die Stadtverwaltung beschließt die Viehmarktanlage zu verkaufen und tritt die Viehhofanlage an den Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter in Norden ab.

Mai 1. Bei der Ledabrücke fallen einige Bomben.

Mai 15. Der Gauleiter des Gaus Weser-Ems, Carl Röver, verstirbt.

Juni 15. In Lübeck wird der Vikar Hermann Lange von der Gestapo verhaftet.

August 30. Im KZ Dachau stirbt Pfarrer Heinrich Schniers, angeblich an den Folgen einer Darmerkrankung.

September 1. Die Stadt Leer mietet rückwirkend zum 1. April 1942 ein Grundstück nebst Gebäude vom Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter e.V. um dort jeweils mittwochs Wochenmärkte zu veranstalten.

Dezember 1. Die Stadt Leer überläßt der NS-Volkswohlfahrt e.V. von dem Schulspielplatz der Hoheellernschule ein Teilgrundstück zur unentgeltlichen Benutzung als NSV-Kindergarten.

Dezember 6. Hermann Tempel wird aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel entlassen.

1943

Januar. In Heisfelderfeld stürzt ein 4-motoriger Bomber ab, sieben Insassen verbrennen.

März 20. Ein feindliches Flugzeug wirft Sprengbomben auf Leer ab. Zwei Menschen sterben.

Juni 22.-24. Vor dem Volksgerichtshof in Lübeck findet die Verhandlung gegen den Vikar Hermann Lange und zwei andere Priester statt. Im sogenannten "Lübecker Christenprozeß" werden alle Angeklagten zum Tode durch Enthaupten verurteilt.

November 10. Der Vikar Hermann Lange wird hingerichtet, da er sich mit Jugendlichen über den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg auseinandersetzte und Flugblätter anfertigte.

Dezember. Zwei Flieger richten mit Bomben und Bordwaffen zahlreiche Häuserschäden in Heisfelde an. Es kommt auch zu einigen Leichtverletzten.

1944

Die Berufsschule wird in eine Gewerbliche, Kaufmännische und Hauswirtschaftliche Berufs- und Berufsfachschule aufgeteilt.

Im Herbst nimmt die Stadt Leer ausgebombte und Evakuierte der Nachbarstadt Emden auf.

An der Deichstraße, der Groninger Straße und auf der Nesse werden Baracken als Ausweichunterkünfte für Fliegergeschädigte errichtet.

März 22. Über Nüttermoor findet ein Luftkampf statt.

Juli 29. Bei Ihrhove wird der Personenzug Norden-Papenburg von einem Tiefflieger angegriffen.

August. Im Rahmen der Aktion "Gewitter" werden auch Louis Thelemann und Johann Epkes verhaftet. Die "Schutzhäftlinge" werden ein paar Tage später wieder aus dem KZ Neuengamme entlassen, müssen sich aber sofort nach ihrer Rückkehr bei den zuständigen Stellen melden.

September 7. Die Reichsfrauenführerin stattet den Marinehelferinnen in Leer einen Besuch ab.

September 17. Gauinspekteur Drescher beauftragt den Architekten Buscher Vorarbeiten zu leisten für eine Heldengedenkstätte in Leer.

September 17-23. Im Heimatmuseum findet eine Ausstellung Leeraner Maler und Goldschmiede statt. Die Ausstellung wird von Gauinspekteur Drescher eröffnet. Drescher ist das Zustandekommen dieser Ausstellung zu verdanken.

September 19. Im Rathaussaal findet eine Kundgebung der DAF statt.

Oktober. Die Osterstegschule wird als Kaserne der SS eingerichtet. Die Schule wird in die ehemalige kath. Schule an der Gaswerkstraße verlegt.

Oktober. Der Gallimarkt und der Galli-Viehmarkt fallen aus.

Oktober 1. Gauinspekteur Drescher dankt in einer kleinen Feierstunde den Bauern für ihre Arbeit und ehrt die Jubilare.

Oktober 14. In Leer findet eine Kampfkundgebung unter der Parole "Volk, ans Gewehr" statt. Diese Kundgebung findet seit dem 10. Oktober an 17 Orten im Kreisgebiet statt.

Oktober 15-29. Im Heimatmuseum findet eine Sonderausstellung (Gemälde, Scherenschnitte und Kunstschmiedearbeiten) und eine Trachtenschau statt.

Oktober 19. In der Ostfriesischen Tageszeitung (OTZ) wird Hitlers Erlaß vom 18.10.1944 zur Bildung des "Volkssturms" veröffentlicht.

Oktober 19. In Loga findet eine Kampfkundgebung unter der Parole "Volk, ans Gewehr" statt.

Oktober 20. Gauinspekteur Drescher ruft zu einer Waffenkundgebung auf.

Oktober 22. Am Denkmalplatz findet eine Waffenkundgebung statt, zu der Gauinspekteur Drescher aufgerufen hat. Volkssturmmänner aus Leer, Loga, Heisfelde und Leerort sind angetreten. Nach einer Rede Dreschers erfolgt ein Marsch durch die Stadt.

Oktober 26. Im Rathaussaal findet auf Initiative des Heimatvereins eine Dichterlesung von Moritz Jahn statt.

Oktober 29. Im Rathaussaal hält Prof. Peter Zylmann einen Lichtbildervortrag über die Urgeschichte Ostfrieslands.

November 1. Gauinspekteur Drescher versammelt im Kreishaus die Kreisamts- und Ortsgruppenleiter bezüglich des Volkssturms. Organisation, Einsatz etc. werden besprochen. Drescher greift wiederholt richtungsweisend in die Gespräche ein.

November 10. Die Zugverbindung Leer-Aurich wird eingeschränkt.

November 11. Im Tivoli-Saal findet die Vereidigung des Volkssturms statt.

November 16. Im Saal "van Mark" findet die feierliche Vereidigung des Volkssturms der NSDAP Ortsgruppe Leer "Am Dock" statt.

November 19. Auf dem Schulplatz der Oberschule für Jungen (UEG) findet die feierliche Vereidigung des Volkssturms der NSDAP Ortsgruppe Leer "Harderwykenburg" statt.

November 20. Der Bürgermeister der Gemeinde Logabirum, Gerhard van Rahden, verstirbt.

November 22. Im Zentralhotel findet die feierliche Vereidigung des Volkssturms der NSDAP Ortsgruppe Leer "Leda" statt. Gauinspekteur Drescher begrüßt die Volkssturmmänner.

November 27. An den Folgen der KZ-Inhaftierung stirbt in Oldenburg der Reichstagsabgeordnete Hermann Tempel. (Er war SPD Mitglied und Mitbegründer der Wochenzeitung "Volksbote".)

November 30. Gauinspekteur und Kreisleiter Erich Drescher ruft alle Frauen in Stadt und Landkreis Leer auf, ehrenamtlich für "kriegswichtige Arbeit" zur Verfügung zu stehen.

Dezember 4. In Leer, Loga und Logabirum finden Frauenkundgebungen statt. Im Rathaussaal hält der stellv. Gauleiter Joel einen Vortrag unter dem Motto "Über allem steht Deutschland".

Dezember 10. Im Rathaussaal findet der jährliche Jugendappell der Hitler-Jugend statt. Aufgerufen zum Jugendappell hat der Bürgermeister Erich Drescher. Der Jugendappell findet für alle 3 Fähnleins vormittags (nacheinander) statt.

Dezember 10. Im Rahmen der von der Kunstgemeinde Leer veranstalteten "Musik der Dämmerstunde" findet am späten Nachmittag im Rathaussaal ein Klavierkonzert statt.

Dezember 17/18. Im Rathaussaal findet eine Spielzeugausstellung statt. Das Spielzeug wurde von den Jugendlichen des Fähnleins 3/381 in Leer für die Weihnachtszeit gebastelt.

Dezember 20. Im Rathaussaal findet eine Weihnachtsfeier der NSB-Kindergärten in Leer statt.

Dezember 22. Der Landwirt Johann Bunjes wird zum kommissarischen Bürgermeister von Logabirum ernannt.

1945

Januar 19. Aus Gründen der Energieeinsparung wird zu unterschiedlichen Zeiten die Stromlieferung unterbrochen.

Januar 25. Der Bahnverkehr auf dem Leeraner Bahnhof wird täglich von 10.00 - 17.00 Uhr eingestellt.

Frühjahr Die drei beruflichen Schule werden geschlossen.

März. Flüchtlinge aus den Ostgebieten erreichen Leer. Die Stadt muß ca. 1.200 Flüchtlinge aufnehmen.

März. Die städt. Schulen werden geschlossen. Durch Beschuß brennt die Turnhalle der Osterstegschule, in der Munition lagerte, nieder.

März 5. In einer schlichten Feierstunde wird in Leer das Soldatenheim eröffnet.

März 11. Am Denkmalplatz findet eine Heldengedenkfeier statt. Gauinspekteur Drescher schreitet die Front der angetretenen Verbände ab.

März 11. In der Ziegelei zu Nüttermoorsiel werden 360 Flüchtlinge aus dem Osten untergebracht. Sie werden am 21. April nach Weener weiterbefördert.

März 15. In Leer tauchen gefälschte Lebensmittelkarten auf.

März 16. Gauinspekteur Drescher wird als Kreisleiter der NSDAP verabschiedet. Das Amt des Kreisleiters des Kreises Leer übernimmt Arthuer Steckerts, der zuvor Kreisstabsamtsleiter der Kreisleitung Norden der NSDAP war. Bereits vor der Machtergreifung war Steckerts HJ-Führer in der NSDAP.

April 19. 36 alliierte Bomber fliegen einen schweren Luftangriff auf Leer. Die Kasernenanlage wird fast vollständig zerstört. Ungefähr 250 Menschen sterben.

April 21. "Hauptmann" Herold bezieht mit seiner Mannschaft, von den Emslandlagern kommend, Quartiere im Hotel Oranien und im Gasthof Schützengarten.

April 21. Die Eisenbahnbrücke sowie die Ems- und die Ledabrücke werden von deutschen Truppen gesprengt.

April 23. Am frühen morgen erfolgt ein Bombenangriff auf die Industrieanlagen auf der Nesse.

April 23. Vom Rheiderland her wird die Stadt beschossen. Die ersten Granaten schlagen im Rathausviertel, in der Nähe der reformierten Kirche und beim Gaswerk ein. Im Laufe des Tages erstreckt sich der Beschuß auch auf die Gemeinde Loga.

April 23. Unter Leitung von "Hauptmann" Herold werden die Herren Schrammek und Dr. Sommer am Burfehner Weg erschossen, nachdem sie ihr eigenes Grab schaufeln mußten.

April 25. Gegen 7 Uhr morgens beginnen die Tieffliegerangriffe, die bis gegen 20 Uhr alle Viertelstunde fortgesetzt werden. Die Gastwirtschaft van Mark, der Saalbetrieb Tivoli und das Hotel Viktoria und zahlreiche Geschäftshäuser an der Mühlenstraße werden vernichtet, die Christuskirche und das Rathaus stark beschädigt, die Flachsröste auf der Nesse steht in Flammen und die Fabrik R. Weber an der Sägemühlenstraße liegt in Trümmern.

April 25. Bei einem Luftangriff wird die Turnhalle an der Friesenstraße zerstört, ebenso der Rheiderländer Hof. Das Viehhofgelände wird beschädigt.

April 25. Gegen Quittung übernimmt "Hauptmann" Herold auf dem Polizeirevier von Leer fünf holländische, angebliche Spione. Auf dem Hinterhof des Schützengarten findet ein "Prozeß" gegen die Holländer (Johannes Gerardus Kok, Carolus H.H.Magermans, Johannes Adrianus Magermans, Cornelius Pieter Fielstra und Johannes Verbiest) statt, der mit dem Todesurteil wegen Hochverats endet. Am Burfehner Weg werden die fünf Holländer von Herolds Leuten erschossen.

April 26. Das Artilleriefeuer konzentriert sich auf die Gemeinde Hohegaste.

April 27. Die Nesse wird beschossen.

April 27. Kirchborgum und Bingum werden bis zum 1. Mai von der Zivilbevölkerung geräumt.

April 28. "Hauptmann" Herold verläßt mit seinen Leuten die Stadt Leer in Richtung Aurich.

April 28. Kanadische Truppen setzen in Sturmbooten über die Leda und Ems. Bei Bingum sinken 2 Sturmboote und bei Driever 1 Sturmboot, 22 Kanadier ertrinken.

April 28. Kanadische Truppen ziehen in Leer ein und besetzen u.a. das Gebäude der Ostfriesischen Volksbank. Neben den Marinetruppen verteidigen rund 2.000 Soldaten die Stadt Leer. Im Rathaus werden 20 deutsche Offiziere bei einer Lagebesprechung überrumpelt. Das Marinehospital wird besetzt und 15 kanadische Verwundete befreit. Zwei deutsche Deserteure werden von den Kanadiern vor dem Erschießen gerettet. Drei Kanadier werden aus deutscher Gefangenschaft befreit. Die städt. Feuerwehr versucht verschiedene Brände zu löschen. Deutsche Soldaten besetzen den Gasometer. 42 Deutsche fallen bei dem Angriff der Kanadier auf den Gasometer. Gegen abend ist die Besetzung der Stadt abgeschlossen. Insgesamt werden bei der Einnahme Leers 70 kanadische Soldaten getötet oder verwundet

April 29. Der nationalsozialistische Bürgermeister Erich Drescher wird von den Alliierten abgesetzt.

April 29. 40 Unteroffiziere, die sich in der Kaserne verschanzt haben, ergeben sich gegen Abend den kanadischen Truppen.

April 29. Hohegaste und Nüttermoor liegen unter starkem Artilleriebeschuß. Es entsteht hoher Sachschaden und mehrere Menschen sterben, darunter auch ein franz. Kriegsgefangener.

April 30. Die kanadischen Panzerspitzen dringen in Richtung Loga und Heisfelde vor. In Loga kommt es dabei noch einmal zu Kampfhandlungen, in deren Verlauf ein Teil der Häuser an der Daalerstraße durch den Einsatz von Flammenwerfern abbrennt. Hierbei sind auch Tote unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. Auch die luth. Kirche in Loga (Friedenskirche) wird dabei fast vollständig zerstört.

April/Mai. Die Osterstegschule dient den Kanadiern als Kaserne und später als Sammellager für Polen, die in Ostfriesland gearbeitet hatten.

Kriegsschluß. In Leer werden insgesamt 1783 beschädigte Häuser gezählt, davon sind 137 total, 187 schwer, 354 mittel und der Rest leicht beschädigt.



Datenschutzerklärung
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!